10 Factoring-Arten für Unternehmen

Die in Deutschland häufig von den Factoring-Gesellschaften angebotene Factoring-Arten, -Verfahren und -Formen einfach erklärt. Nicht nur zahlreiche Anbieter haben sich im laufe der vergangenen Jahren gegründet, auch unterschiedliche Möglichkeiten wurden entwickelt um die jeweiligen Belange der Unternehmen beim Factoring zu bedienen.

Factoring-Arten und Sonderformen einfach erklärt.

In Deutschland angebotene Factoring-Arten

Full-Service Factoring

Das Full-Service Factoring ist die einfachste Methode für den Factoring-Nehmer. Im Factoring-Geschäft, einem sogenannten Absatzfinanzierungsgeschäft, kauft ein Factoringinstitut seinen Kunden deren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ab. Sofort nach Ankauf der Forderungen werden diese vom Factor, unter Übernahme des Forderungsausfallrisikos, bevorschusst. Der Kunde kann seine gesamte Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso outsourcen (auslagern). Das ist übrigens die am häufigsten angebotene Variante. Siehe auch hier: Full-Service Factoring.

Das eben beschriebene Factoring-Geschäft würde die volle Leistungspalette eines Factoringinstitut in Form eines Full-Service-Factoringvertrages, nutzen. Abhängig von den durch den Factor übernommenen Funktionen und dem technischen Ablauf des Forderungsverkaufs lassen sich verschiedene Arten des Factoring unterscheiden:

Echtes- / unechtes Factoring

Man unterscheidet zwischen dem echten und unechten Factoring. Vom echten Factoring spricht man, wenn das Factoringinstitut auch das Delkredererisiko, also auch das Zahlungsausfallrisiko übernimmt. Übernimmt der Factor das Delkredererisiko nicht, spricht man von unechtem Factoring. Heutzutage wird in fast allen Verträgen das echte Factoring vereinbart. Der Grund hierfür liegt darin, daß Forderungsabsicherung gegenwärtig in der Regel schon ein fester Bestandteil der Unternehmenspolitik mittelständischer Unternehmen ist. Sie auch hier: Echtes- vs. unechtes Factoring

Offenes- / Stilles Factoring

Eine weitere grundsätzliche Unterscheidung liegt darin, ob dem Abnehmer der Forderungsverkauf an ein Factoringinstitut mitgeteilt wird. Wenn ja, spricht man von offenem Factoring. Die Ausgangsrechnung des Kunden enthält dann den Hinweis darauf, daß die Forderung an den Factor verkauft und abgetreten ist und die Zahlung an den Factor zu erfolgen hat.

Seit den achtziger Jahren hat das offene Factoringverfahren, wegen seiner ständig wachsenden Marktposition innerhalb der Absatzfinanzierungsinstrumente, seinen Durchbruch erreicht. Damit ist es zur am häufigsten verwendeten Vertragsform im Factoring geworden.

Siehe auch: Offenes Factoring und Stilles Factoring – einfach erklärt

Stilles Factoring

Beim stillen Verfahren erfolgt keine Unterrichtung des Abnehmers, dass die Forderung verkauft wurde. So kann der Factor nicht einfach Kontakt zum Debitor aufnehmen, um die Forderungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Ein Factoring-Kunde könnte in betrügerischer Absicht Forderungen, die gar nicht existieren, zum Kauf anbieten. Aus diesem Grunde wird ein Factor einen stillen Forderungsankauf nur mit Firmen vereinbaren, die eine einwandfreie Bonität vorweisen können.
Da ein stilles Verfahren einen erhöhten administrativen Aufwand beim Factor erfordert, schlägt sich das üblicherweise in den Kosten nieder.

Inhouse Factoring

Mittlerweile verfügen viele mittelständische Unternehmen über gute und problemlos funktionierende EDV-unterstützte Debitorenverwaltungssysteme. Deshalb sind am Markt auch sogenannte Eigenservice Factoringverträge anzutreffen, wo der Factoringkunde auf die Übernahme der Debitorenbuchhaltung ganz oder teilweise verzichtet, um Factoring Kosten zu sparen. Diese Form des Factoring setzt gewisse Bedingungen voraus, damit sie durchgeführt werden kann. Stellen Sie einfach eine Anfrage und die Anbieter können Ihnen sagen, ob diese Variante in Ihrem Betrieb eingesetzt werden kann.

Factoring und seine Sonderformen

Fälligkeitsfactoring

Beim sogenannten Fälligkeitsfactoring steht für ein Unternehmen weniger die Finanzierungskomponente, denn die administrative Entlastung und vollständige Risikoabdeckung im Vordergrund. Beim Fälligkeitsfactoring lagert man den Bereich Debitorenverwaltung aus und kauft sich eine im Vergleich zur klassischen Kreditversicherung meistens relativ günstigere, weil zu 100 Prozent deckende, Forderungsabsicherung ein.

Fälligkeitsfactoring und Ultimo-Factoring einfach erklärt.

Exportfactoring

Exportfactoring gehört auch zu den speziellen Factoring Arten. Will ein Exporteur den Problemen, die aus den landesspezifischen Gepflogenheiten eines Abnehmerlandes resultieren besser begegnen können, bietet sich das Exportfactoring an.
Darin sind die gleichen Leistungsstandards wie bei den bisher beschriebenen Factoringverfahren vorhanden. Es bietet unter Umständen eine kostengünstige Alternative zu den klassischen Außenhandelsfinanzierungsinstrumenten.

Diese Factoring-Gesellschaften bieten Exportfactoring an: Bibby Financial Services.

Reverse Factoring – Einkaufsfactoring

Reverse Factoring ist die „umgekehrte Version“ des Factorings, auch bekannt unter Einkaufsfactoring oder Lieferantenfinanzierung. Das bedeutet, dass das Factoring Unternehmen Ihren Wareneinkauf vorfinanziert und Sie dann im vereinbarten Zahlungsziel die Forderungen an das Factor begleichen. Durch Reverse Factoring erreichen Sie eine bankenunabhängige Einkaufsfinanzierung und eine bessere Beziehung zu Ihren Lieferanten.

VOB Factoring

Das VOB Factoring wurde eigens für Handwerksbetriebe, das Bau- und Baunebengewerbe entwickelt. Das bedeutet, dass das Factoring-Institut auch Forderungen ankauft, die nach der Verdingungsordnung für Bauleistungen (kurz VOB) abgerechnet werden. Normalerweise müssen beim Forderungsverkauf Leistungen zu 100 Prozent erbracht sein, da im Baugewerbe aber auch mit Abschlagszahlungen abgerechnet wird ergibt sich daraus eine Abweichung zum normalen Forderungsankauf. Nur sehr wenige Gesellschaften bieten daher Factoring für Handwerksbetriebe an.

Ausführliche Beschreibung inklusive Anfrage an VOB Factoring – Anbieter

Privatkundenfactoring

Beim Privatkunden-Factoring werden durch die Factoring-Gesellschaft Forderungen gegen private Abnehmer angekauft und bevorschusst.

Mehr Informationen zum Privatkunden-Factoring (B2C-Factoring) finden Sie hier.


Das könnte Sie zusätzlich zu den Factoring Arten auch interessieren:


Übersicht: Vor- / Nachteile beim Factoring

Die Vor- und Nachteile des Factorings haben wir in einer Übersicht dargestellt. Wenn man alles berücksichtigt, dann überwiegen die Vorteile, das heißt, sollte Ihr Unternehmen die Bedingungen erfüllen, dann kann Factoring auch Ihrer Firma enorme Vorteile bescheren.

Vorteile

  • SOFORTIGER Liquiditätszufluss und Verbesserung des Cashflow.
  • Bei allen Factoring-Arten außer beim „unechten“ Factoring Schutz vor Forderungsausfall.
  • Optimierung der Bilanzkennzahlen und Erhöhung der Eigenkapitalquote.
  • Verbesserung der Bonität und Bankenrating. Dadurch leichterer Zugang zu Krediten mit besseren Konditionen.
  • Besserer Verhandlungsspielraum beim Wareneinkauf.
  • Schaffung von Wettbewerbsvorteilen durch Einräumung flexibler Zahlungsziele bei Kunden ohne auf die eigene Liquidität zu verzichten.
  • Freisetzung von Sicherheiten durch Abbau von Kontokorrentkrediten oder sonstigen Verbindlichkeiten.

Nachteile

  • Wird meist nur im B2B-Geschäft durchgeführt, jedoch haben sich auch im B2C-Geschäft Anbieter gefunden.
  • Meist ab einem Factoring Mindestumsatz von 100.000 EUR/pro Jahr einsetzbar.
  • Kein Forderungsankauf von Kunden mit schlechter Bonität.